26 Juli 2006

Ergebnisse AG 5: Afrikalehre am OSI

Protokoll

1. Input zur Entwicklung der Afrikalehre am OSI und aktuellen Konflikten / Entwicklungen
  • 1967-1992: Arbeitsstelle Politik Afrikas unter Franz Ansprenger
  • 1994-1999/2000: Seminare mit Afrikabezug sind nicht institutionell verankert
  • 2000 bis 2001: Gastprofessur von Kum'a Ndumbe III. im Auftrag des DAAD
    • die Professur wird im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen gestrichen
    • der Strukturplan des OSI sieht keinen Afrikaschwerpunkt vor
  • 2000: Gründung der Studiengruppe "Afrosi" (ca. 40 Mitglieder)
    • protestiert gegen die Streichung
    • entwicklet ein Gegenkonzept, das von den Verantwortlichen gutgeheißen, aber in keinster Weise aufgenommen wird
    • hohe Aufmerksamkeit der Presse, jedoch keine institutionelle Entscheidung
  • 2004: Der OSI-Club beschließt, das OSI bei den Bemühungen zu unterstützen, Afrika wieder auf den Lehrplan zu bringen
  • Prof. Däubler-Gmelin unterstützt die Initiative, sie nimmt Prüfungen ab und ist die Schirmherrin der Ringvorlesung "Afrika, Europas verkannter Nachbar"
  • Das OSI begrüßt diese Initiative: Es verpflichtet sich, pro Semester einen Lehrauftrag zu besolden und die Afrikalehre weiterhin zu garantieren (ein weiterer Lehrauftrag wird vom OSI-Club besoldet)
  • Alle anderen Lehraufträge zum Thema Afrika bleiben unbesoldet
  • OSI-Club unterstützt zudem die Literaturbeschaffung für das Afrikamodu

Organisation des Afrikamoduls/ Entscheidungsstrukturen

  • Der OSI-Club räumt ein, selbst zum Thema Afrika nicht kompetent zu sein, und wandte sich daher bei der Suche nach Fachkundigen an Eric van Grasdorff von AfricAvenir. Eric van Grasdorff gab sein Engagement nach kurzer Zeit an Ann Kathrin Helfrich weiter, die zur Zeit die Lehrplanung des Afrikamoduls am OSI koordiniert.
  • Ann Kathrin Helfrich als „Afrikabeauftragte“ schlägt Lehraufträge vor, bekommt aber auch Vorschläge, sammelt diese und gibt sie an den Insitutsrat weiter.
  • Da der Insitutsrat keine inhaltliche Kompetenz hat, wurde ein Runder Tisch zur Afriaklehre eingerichtet, der sich neben der Lehrplanung für die laufenden Semester auch um eine Weiterführung der Afrikalehre am OSI in Zukunft kümmern soll.
  • Innerhalb des Runden Tisches haben Prof. Däubler-Gmelin und Prof. Ansprenger inhaltlich beratende Funktion.
  • Bestrebungen, eine Afrikaprofessur am OSI einzurichten
    • im Rahmen der Exzellenzinitiative („Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“)
    • Horst Köhler plant ein wissisenschaftliches Forschugsentrum zum Thema Afrika einzurichten, jedoch nicht zwangsläufig an der FU
    • es liegt ein Entwurf des PD Ulrich van der Hayden für ein „Zentrum Modernes Afrika“ vor
  • In den Entscheidungsstrukturen des Afrikamoduls sind Ende des Sommersemesters 2006 Konflikte aufgetreten:
    • Die Ausstattung der Module ist vorgegeben. Vom Präsidium ist mittels so gennanter „Zielvereinbarungen“ vorgegeben, dass ein Modul nur eine begrenzte Anzahl von Lehraufträgen haben soll. Aufgrund dessen wurde, nachdem die Lehrplanung vom Runden Tisch abgeschlossen und vom Institutsrat bestätigt war, vom Präsidium eingefordert, dass zwei der vorgeschlagenen Seminare wieder gestrichen werden.
    • Zeitgleich schrieb PD Ulrich van der Heyden eine diffamierende E-Mail gegen einen Dozenten, der u.a. gegen seine rassistischen Thesen zur Sklaverei vehement protestiert hatte, mit dem Erfolg, dass das Seminar des kritischen Dozenten gestrichen wurde. Aber da Ulrich van der Heyden seine Vorwürfe nicht akademisch belegt hat und aufgrund verschiedener Proteste wurde die Streichung doch noch rückgängig gemacht.
    • Als unmittelbare Reaktion auf diese Ereignisse gründete sich die „Initiative Kritische Afrikalehre“, bestehend aus Dozierenden / WissenschaftlerInnen, Mitgliedern der African community, Mitgliedern verschiedener NGOs und OSI-Studierenden. Diese Initiative entwickelt ein alternatives Konzept zu Afrikalehre in Berlin.

2. Diskussion: Wie stellen wir uns Afrikalehre am OSI vor?

I. Wie wird gelehrt/geforscht?

  • Am OSI ist momentan zu beobachten, dass:
    • kaum afrikanische ExpertInnen miteinbezogen werden, es lehren weiße Deutsche
    • über Afrika geforscht wird, hier werden „Afrikaexperten“ ausgebildet
    • eine eurozentristische Perspektive vorherrscht
  • Für eine kritische Lehre zum Thema Afrika wäre nötig/ wünschenswert:
    • Prof. Däubler-Gmelin und Prof. Ansprenger sollten nicht allein als inhaltliche Experten fungieren, eine Begegnung der verschiedenen Akteure ist vonnöten
    • Lehrende dürfen Sexismus, Sklaverei, Rassismus o.ä. nicht verharmlosen oder diskriminieren
    • zur Afrikalehre gehören auch Themen wie Migration, Flucht, Rassismus sowie Schwarze bzw. AfrikanerInnen in Deutschland
  • Die Schwierigkeiten der Etablierung einer kritischen Afrikalehre kann als Teil einer gesamten Marginalisierung von kritischer Lehre am OSI betrachtet werden
  • Bei kritischen Forschungsansätzen geht es nicht um eine Vermischung von politischer Position und Wissenschaft, sondern darum, dass gewisse Standpunkte (Verharmlosung von Sklaverei und Rassismus) nicht akzeptiert werden können

II. Was bedeutet dies konkret fürs OSI?

  • Lehre sollte allgemein offener und kritischer gestaltet werden.
  • Konventionelle und kritische Ansätze sollten gleichermaßen vertreten sein, Studenten sollen entscheiden können, aus welcher Perspektive sie arbeiten.
  • Hier muss deutlich betont werden, dass die „Gefahr“, dass eine kritische Lehre die zur Zeit existierende verdränge, in keiner Weise besteht.
  • Erstsemester können ohne Vorwissen bzw. Hilfe nicht gut beurteilen, welche Perspektiven Lehrveranstaltungen voraussetzen, bzw. welche alternativen Herangehensweisen es gäbe. Daher sollte besser über verschiedene Ansätze informiert werden.
  • Gerade für Erstsemester wäre nun die Strategie „Hauptsache irgendeine Afrikalehre“ nicht geeignet, da die kritischen Ansätze unentdeckt blieben.
  • Es müssten institutionelle Rahmenbedingungen für eine kritische Afrikalehre geschaffen werden, damit ein gleichwertiger Zugang für unterschiedliche Ansätze entsteht.

III. Praktische Vorschläge

Wie können Studierende sich einbringen?

  • Schaffung von Transparenz:
    • Es fehlen Infos über Afrikalehrende, die Grundkonfliktlinien, die verschiedenen Ansätze.
    • Transparenz nicht nur im Nachhinein: Die Studierenden müssen sich Möglichkeiten schaffen, Konflikte mitzukriegen, bzw. zu beeinflussen (z.B. Teilnahme am Runden Tisch zur Afrikalehre)
    • Bekanntmachung der Konfliktlinien über verschiedene Kanäle (z.B. Erstitage, OSI-Zeitung, Infoveranstaltung)
    • Podiumsdiskussion über verschiedene Perspektiven der Afrikalehre im Rahmen der Ringvorlesung -> Titelvorschlag: „Welche Afrikalehre wollen wir?"
    • Boykott von Lehrenden, die Rassismus, Sklaverei, Sexismus etc. unkritisch gegenüberstehen bzw. andere diskriminieren?

IV. Nachtrag

  1. Alle interessierten Studierenden haben Kontaktdaten ausgetauscht und finden sich zusammen, um ein weiteres Vorgehen zu besprechen.
  2. Bei der Präsentation des Workshops im Institutstagsplenum wurde spontan von Professoren (z.B. Herrn Funke) eine Einladung für Studierende zum Runden Tisch ausgesprochen.
  3. Für weitere Informationen/ Nachfragen: lisabet-mielke@gmx.de